Die ausgemergelte Streunerin Katniss führte Cloud7 Gründerin Petra Jungebluth direkt zu ihren Welpen

Eine Reise in das Everydaystray Shelter in Bulgarien — Petras persönliche Eindrücke

Wie einige von Euch bereits aus unserem kürzlich veröffentlichen Film wissen, besuchte Cloud7 Gründerin Petra Jungebluth im vergangenen Oktober mit einer kleinen Filmcrew das Everydaystray Shelter in Gabrovo. Dort unterstützte sie das Team bei der Arbeit und konnte den Alltag im sich immer weiter entwickelnden Shelter begleiten. Lesen Sie selbst von ihrer ganz persönlichen Erfahrung und Motivation.

Das Baumaterial im Shelter eignet sich ideal für Versteckspiele Das Baumaterial im Shelter eignet sich ideal für Versteckspiele

DIE PARTNERSCHAFT MIT EVERYDAYSTRAY

Vor einigen Jahren wurde ich aufmerksam auf die Tierschutzorganisation Everydaystray in Bulgarien. Die Beiträge auf Instagram haben mich sehr berührt; ich habe dann den persönlichen Kontakt gesucht, um mehr von der Organisation zu erfahren und wie dort gearbeitet wird. Mich hat dabei die besonders nachhaltige Arbeit überzeugt: wie man dem großen Problem der unzähligen Straßenhunde begegnet, sie medizinisch versorgt, in ihrem Shelter pflegt, das umfangreich betriebene Kastrationsprogramm, um der unkontrolliert wachsenden Zahl immer weiterer Welpen zu begegnen, bis hin zur Vermittlung vieler Hunde an neue Halter und Familien in ganz Europa. Für Cloud7 war dies der Beginn einer ganz besonderen Partnerschaft. Endlich, im Oktober 2021, war es dann soweit, dass ich nach Bulgarien reisen konnte.

Petra mit den vierbeinigen Bewohnern des Shelters Petra mit den vierbeinigen Bewohnern des Shelters
Petra mit den vierbeinigen Bewohnern des Shelters

DAS SHELTER IN GABROVO, BULGARIEN

Das Shelter selbst befindet sich in einer sehr ländlichen Gegend, circa drei Stunden mit dem Auto vom Flughafen Sofia entfernt. Von Bergen eingerahmt fuhren wir an einer verlassenen Brücke vorbei, und ganz versteckt hinter einer Reihe saftig grüner Bäume, auf einer Straße ohne Namen, führte schließlich ein kleiner Weg über das große Tor zum Everydaystray Shelter. Das erste Treffen mit Clair und Neil – den beiden verantwortlichen Betreibern des Shelters – und den geretteten Hunden, nach Hunderten von Telefonaten und E-Mails. Das idyllische Gelände wird untermalt von Vogelgezwitscher aus dem umliegenden Wald, dazu kommt natürlich das laute Bellen und Geschnupper der circa 35 vierbeinigen Bewohner. Sofort habe ich mich in mehrere Hunde verliebt. Mein nächster Blick fiel auf diverse Baumaterialien von zahlreichen Projekten, an denen Neil abwechselnd arbeitet. Neben Holzpaletten gibt es dutzende Liegeflächen auf den Wegen vor den Kennels, auf denen sich die Hunde entspannen können. Ein wirklich schöner Ort, geführt von dem englischen Paar, das nicht liebevoller mit den Hunden umgehen könnte.

Ein Überblick über einen kleinen Teil des Shelters in Gabrovo Ein Überblick über einen kleinen Teil des Shelters in Gabrovo

Es ist völlig offensichtlich, dass Clair und Neil ihr ganzes Herzblut in diesen Ort gesteckt haben. Neil, glücklicherweise begnadeter Handwerker, baut Gehege, setzt Zäune für den Hundeauslauf, während Clair mit möglichen Adoptionsinteressierten in digitalen Meetings abwägt, ob der ausgesuchte Hund in das jeweils neue Umfeld passen könnte. Die Anlage ist aufgeteilt in den unteren Bereich, wo sich viele große und beheizte Hundegehege befinden, sowie eine Küche, die sich Clair und Neil mit fünf Hunden teilen. Im oberen Bereich gibt es auf der einen Seite eine sehr kleine Wohnung, sodass die Hunde rund um die Uhr behütet sind; auf der anderen Seite befindet sich ein weiteres Gehege für Hunde, die noch im Pflegezustand sind.

DER ALLTAG IM SHELTER

Morgens gibt es die große gemeinsame Gassi-Runde über die wunderschönen bulgarischen Felder, danach kommt die medizinische Versorgung und das Füttern der Hunde.
 Den wenigen, nicht mit den anderen kompatiblen Hunden schenkt Neil bei einer Extrarunde zusätzliche Aufmerksamkeit.

Der restliche Tag besteht aus dem Reinigen der Hundeschlafplätze, einem Basis-Training für Neuankömmlinge, sowie regelmäßigen „Lernkursen“ der verschiedensten Hunde für ein besseres Verstehen und Kennlernen untereinander. Immer wieder habe ich dabei gedacht, wie viele wundervolle Hunde unter ihnen sind, die sich problemlos in einer Stadt wie z.B. hier in Berlin einleben würden. Es gibt dabei recht wenige Ausnahmen von Hunden, die aufgrund der erlebten Erfahrungen auf der Straße oder an der Kette noch problematisch in ihrem Verhalten sind. Diese können aber solange im Shelter bleiben, bis sie ausreichend sozialisiert sind. Es herrscht generell ein sehr friedliches Miteinander unter den Hunden. Beim Spaziergang durch das Dorf durften wir auch Zeuge werden, wie positiv die Menschen Clair und Neil begegnen. Sie haben im Laufe der Zeit ein wirklich besonderes Vertrauen zu den Bewohnern im Ort aufgebaut.

Clair, Neil und Petra mit Filmteam und einigen Bewohnern des Shelters Clair, Neil und Petra mit Filmteam und einigen Bewohnern des Shelters

UNTERWEGS IM DORF

Als ich Clair auf einer Runde durch ein naheliegendes Dorf begleitete, fütterten wir Straßenhunde und kontrollierten deren Zustand. Dabei fand ich einen kleinen weiblichen, sehr freundlichen Welpen auf der Straße, höchstens vier Monate alt. Sie hat sich über meine Aufmerksamkeit so wahnsinnig gefreut. Die Kleine hatte eine tiefe Wunde im Bein. Ich war so dankbar, dass es noch ein freies Gehege für die kleine Hündin gab. Ich nahm sie auf meinen Schoß und zusammen fuhren wir zurück in Richtung Shelter. Nachdem die Kleine bei dem befreundeten Tierarzt medizinisch versorgt wurde, verheilte die Wunde dann erfreulicherweise sehr schnell. Die Hündin hat nun die glücklichsten Hundeeltern in Frankreich und kann jetzt zu einer selbstbewussten Französin heranwachsen.

Als wir an einem anderen Tag mit der Filmcrew unterwegs waren, haben wir in einem weiteren Dorf eine völlig abgemagerte Hündin am Straßenrand gefunden und sie erst einmal gefüttert. Die Hündin, die offensichtlich Welpen hatte, nahm nur einen kleinen Happen vom Futter, ging ein paar Schritte die Straße herunter, drehte sich dabei immer wieder um, als wolle sie sich vergewissern, dass ich ihr auch folge. Sie führte mich zu Ihren Welpen, die 500 Meter weiter auf einem abseitigen Weg lagen. Die völlig abgemagerte Hündin hatte offensichtlich keine Milch mehr für ihre Nachkommen. Ich kann die Gefühle nicht beschreiben, die diese Situation in mir auslöste. Als wüsste sie, dass wir ihr dabei helfen können, ihren Welpen ein besseres Leben zu ermöglichen. Alle Welpen sind mittlerweile vermittelt; nur noch die wundervolle Hundemutter Katniss sucht weiterhin nach einem Zuhause.

Ich könnte noch lange weiter über die wirklich berührenden Begegnungen mit den Straßenhunden erzählen.

Ein weiterer vierbeiniger Bewohner genießt den Ausblick über das Tal Ein weiterer vierbeiniger Bewohner genießt den Ausblick über das Tal

DAS LEBEN IN BULGARIEN

Was mich unterwegs jedoch zusätzlich bewegt hat waren die Bedingungen, unter denen viele Menschen dort leben müssen. Man kann die Auswirkungen der Armut in vielen Gesichtern der Menschen erkennen, ohne Strom, sanitäre Anlagen und fließend Wasser zu leben. Wir haben Familien erlebt, die auf einer offenen Feuerstelle ihr Wasser erwärmen, um damit ihre Kinder zu waschen. Viele Häuser hatten anstelle von Fenstern nur Löcher in den Wänden. Der bulgarische Winter ist wirklich bitterkalt und es gibt oft nur einen kleinen Ofen im Schlafraum für eine ganz Familie. Damit wurde mir auch bewusst, dass Hunde einen völlig anderen Status in den ärmlichen Gegenden Bulgariens haben. Sie werden eingesetzt als Bewacher für das Bisschen, was da ist: für die drei Hühner und sogar für die Gemüsebeete. Die Straßenhunde vermehren sich oft unkontrolliert und die Welpen werden schließlich sich selbst überlassen.

Clair mit Welpe Larry, jetzt Nacho Clair mit Welpe Larry, jetzt Nacho

DER EINSATZ BEI EVERYDAYSTRAY

Everydaystray schafft für Hunde in Not einen sicheren Ort und schenkt ihnen die Fürsorge, die sie brauchen. Wenn ich Clair und Neil sehe, fühle ich unbeschreiblichen Respekt für ihre Arbeit, den unermüdlichen Einsatz und ihren Optimismus. Was sie mit ihrem Tun bereits geleistet haben und ihre Pläne für die Zukunft zu hören, macht mich stolz.

Der schlimmste Moment der Reise war schlussendlich der Abschied. Man möchte Freunde wie Clair und Neil gerne hemdsärmelig unterstützen. Ich denke aber, dass wir als Unternehmen einen sehr wichtigen Beitrag leisten können. Regelmäßige planbare finanzielle Unterstützung steht ganz oben auf der Liste, aber auch als Partner mit Rat und Tat für die Menschen und Hunde hinter der Organisation da zu sein. Das war nach dem Abschied ein großer Trost. Wir planen in diesem Jahr noch eine Erweiterung der RESC7UE Kollektion, deren Erlöse dann vollständig an Everydaystray weitergegeben werden. Auch werden wir die Organisation weiterhin durch Patenschaften unterstützen.

Wenn Sie selbst ebenfalls aktiv werden möchten, sucht Everydaystray neben finanzieller Unterstützung regelmäßig Flugpaten, Foster Families, Hilfe bei der Suche nach geeigneten Familien für schwer zu vermittelnde Hunde, freiwillige Helfer vor Ort und vieles mehr. Gemeinsam mit einem befreundeten Zeichner schrieb Clair ebenfalls das aufklärende Kinderbuch „A Rocky Road – One small dog, one big journey“, welches Sie hier kaufen können. Selbstverständlich gehen auch dabei alle Einnahmen direkt an Everydaystray. Alle außerplanmäßigen Geldspenden fließen aktuell in ein neues Fahrzeug, um mehrere Hunde gleichzeitig zum Tierarzt transportieren zu können. Treten Sie gerne mit uns oder Everydaystray in Kontakt, um über weitere Optionen für ehrenamtliche Aktivitäten für den bulgarischen Tierschutz zu sprechen. Wir freuen uns darauf, Ihre Geschichte zu hören.